Episode 3: Aufruf zur Petition – Einkaufen mit Kind

Damals und heute – Ein Supermarktbesuch im Wandel der Zeit…
Früher, also ich meine ganz früher, als ich noch Single war und meine Zeit frei einteilen konnte. Da habe ich es genossen durch den Supermarkt zu schlendern und zu schauen, was ich gerne essen möchte. Damals…das war schön. Seitdem ich mit Papanaut zusammen bin, hat sich schon einiges geändert. Sobald wir zusammen den Supermarkt betreten, legt sich ein Schalter um und wir bekommen grüne Augen und nen Tunnelblick. Meistens endet das in Diskussionen, ob wir nun genug Nahrung für ein paar Tage haben oder nicht. Papanaut kauft gern ein, als stehe die Apokalypse bevor und wir müssten, wie Prepper, alles horden.
Also bin ich auch dann lieber allein einkaufen gegangen.
Seit nun anderthalb Jahren gibt´s Zwerginaut und da hat sich das ganze nochmal verändert. Als Baby konnten wir ihn kaum mitnehmen. Er war jedes Mal völlig reizüberflutet und hat dann Zuhause eine Stunde nur geschrien. Wenn, dann haben wir ihn in die Trage genommen und sind durch geflitzt. Oder einer von uns ist alleine einkaufen gegangen. Das ist bis heute die entspannteste Variante. Nur geht das ja irgendwie auch an der Realität vorbei. Also muss das Kind mit.

Los geht´s…
Seitdem Zwerginaut laufen kann, ist das Einkaufen allein mit ihm wirklich … na so… dings. Artikel, die man nie kaufen würde, landen im Korb oder auf dem Supermarktboden. Also bin ich mehr damit beschäftigt, den Kram wieder an Ort und Stelle zu räumen, als die eigentlichen Sachen einzupacken. In diesen Sitz im Einkaufswagen möchte er ja nicht.
Papanaut hat sich in einem Anflug von Wahnsinn überlegt, dem Zwergi so einen kleinen Einkaufswagen aufzuschwatzen. DANKE!!! Der ist ungefähr bis zu den Äpfeln interessant und dann schiebe ich einen großen und einen kleinen Wagen durch die Kante und suche das Kind.
Also habe ich mir in einem Anflug von noch größerem Wahnsinn überlegt dieses Auto zu nehmen.
Kennt ihr das? Ein riesiges Plastikauto mit Lenkrad, in das sich die Kinder reinsetzen können. Der Korb ist natürlich viel zu klein für den Wocheneinkauf einer 3-köpfigen Familie. Aber ich habe mir ein wirklich entspannten Supermarktbesuch ausgemalt. Ehrlich, das habe ich.

 

Bildergebnis für einkaufswagen autoQuelle:PicKlick
Schon der Anblick des Bildes lässt meinen Puls in die Höhe schnellen


Eine Wohltat…
Der Einkauf war recht entspannt. Zwerginaut saß glücklich in dem Auto und ich musste nicht ständig Dinge wieder wegräumen. Ich konnte tatsächlich einfach nur Dinge aus dem Regal nehmen und in den Korb legen.
Dass dieses Gefährt einen Wendekreis wie ein LKW hat, hat mich schon etwas aufgeregt, aber die Zeitersparnis war es wert.
An der Kasse wurde Zwergi schon etwas unruhig. Schließlich ist ein Auto zum Fahren da.
In meinem Anflug von Naivität, habe ich alles schon an der Kasse in Tüten verpackt, damit ich mit diesem Koloss von Einkaufswagen nicht auch noch auf den Parkplatz raus muss. Ich wollte die Tüten tragen und Zwerginaut sollte fröhlich mit mir zu unserem Auto laufen. Einhörner würden um uns herum tanzen und Waldelfen ein Lied singen.
Ich stellte das Einkaufsauto an seinem bestimmten Platz ab und stellte die Tüten auf den Boden, um Zwerg den Sicherheitsgurt zu öffnen.

Ab geht die Post…
Kennt ihr das, dass ihr im Supermarkt seid und ein Kind völlig ausrastet? Ihr denkt euch so: „Oh man ey, die haben ihr Kind aber gar nicht im Griff. Durchgreifen muss man da, einfach mal hart durchgreifen. Andere Saiten aufziehen, dem Kind mal zeigen wo der Hase lang läuft…“
Wenn ihr das denkt, dann habt ihr entweder keine Kinder oder habt das Einkaufsauto noch nicht getestet.
Zwergi wollte nämlich nicht von Einhörnern und Waldelfen zu unserem Auto begleitet werden. Nein!!! Er wollte in diesem verfluchten Plastikteil sitzen und weiter durch die Kante geschoben werden.
Aber Mama hatte andere Pläne, die wollte nämlich mit Einkäufen und Kind nach Hause. Ich bin aber auch echt ne schlechte Mutter.  Um genau das dann allen anderen Leuten zu demonstrieren, hat sich Zwerginaut im Eingangsbereich des Supermarktes auf den Boden geworfen und gebrüllt.
Dieses Szenario malt man sich ja schon das ein oder andere Mal aus. Da denkt man sich entweder: „Ich bleib ganz ruhig und warte bis es vorbei ist.“ Oder „Ich schmeiß mich daneben und schrei mit.“
Hab ich euch schon gesagt, dass die Aktion am 23.12. stattfand? Nein? Ja dann, ich war so unglaublich blöd und bin einen Tag vor Weihnachten ALLEIN mit KLEINKIND in einen Supermarkt gegangen und habe diesen Einkaufswagen gewählt.
Darf ich mich eigentlich beschweren? Mhhh…ich weiß auch nicht. Das könnte das Karma sein, von dem so viele häufig sprechen.

Alles nach Erziehungsratgeber…
Also was habe ich nun gemacht?
Ich bin tatsächlich ruhig geblieben…äußerlich. Ganz ruhig und habe versucht mein Kind durch den Gefühlssturm zu begleiten. Frau Graf, Frau Seide und Frau Schmidt wären in dem Moment unglaublich stolz auf mich gewesen. Sie hätten sich gedacht: „Oh schön, diese Mutter hat all unsere Bücher gelesen und handelt so bedürfnisorientiert. Ruhig, gelassen und nah am Kind.“  Einhörner tanzen und Waldelfen singen.
Innerlich tobte in mir ein Taifun und der Mauna Loa brach aus. Das Einhorn und die Elfen ertranken im Lavastrom.
Die Leute, die ebenfalls einen Tag vor Weihnachten in den Supermarkt hinein und heraus mussten, mussten zwangsweise an uns vorbei und die Gesichter sprachen Bände über deren Gedanken.
Ich lächelte…Ich glaube zumindest, dass ich das getan habe.
Irgendwann habe ich zuerst die Einkaufstüten und dann mein Kind unter den Arm geklemmt und bin zum Auto gelaufen. Dort haben wir beide uns erstmal beruhigt. Ich habe Zwerginauts Tränen getrocknet und ihm erklärt, dass wir den Einkauf ins Auto räumen müssen und er deswegen aus dem Wagen raus muss. Als ich ihn dann in den Kindersitz setzen wollte, kam der nächste Ausbruch. Er dachte, nach dem Verräumen des Einkaufs geht´s zurück zum Plastikgeschoss. Auch hier habe ich all mein Wissen aus der Literatur angewendet und konnte Zwergi mit einem Buch bestechen ablenken und endlich nach Hause fahren.

Wo geht´s zur Petition?
Am Abend musste ich dieses Erlebnis kurz mit meinen Kontakten teilen. Zu meinem Erstaunen bekam ich mehrere Nachrichten, dass Freunde und Bekannte von mir, genau dieses Szenario erlebt haben. Sie wollten sich und dem Kind einen Gefallen tun, wählten das Einkaufsauto, hatten einen entspannten Einkauf, aber dann rastete der Nachwuchs völlig aus, weil die wilde Fahrt vorüber sein sollte. All die gesparten Nerven sind futsch.
Aus dem Grund sind wir für ein Verbot dieser Wagen. Zum Wohle ALLER Beteiligten. Für die Eltern, für die Kinder, die Mitarbeiter der Supermärkte und auch die anderen Menschen, die in Ruhe ihren Einkauf erledigen wollen.
Seid ihr auch für ein Verbot? Dann schreibt mir gerne einen Kommentar oder eine Mail.

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