Episode 2 – Guten Morgen Berlin! oder „Wer ist Klaus-Dieter?“

Packen und Anreisen
Durch eine Bekannte habe ich vom #dowhatyoulove Fachtag, vom „artgerecht Projekt“, erfahren. Dabei geht es um die berufliche Veränderung während und nach der Elternzeit.
Für mich war es relativ schnell klar, dass ich meinen Job, nach der Elternzeit, nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr ausführen möchte. Das hat viele Gründe, vielleicht schreibe ich mal einen extra Beitrag darüber – wenn ihr wollt.
Also habe ich Papanaut und Zwerginaut dazu verdonnert mit mir nach Berlin zu fahren.
Unsere zweite Reise als Familie. Hach, wird das schön.
Eine geeignete Unterkunft zu finden war gar nicht so einfach. Eigentlich wollten wir uns den Luxus eines Hotels gönnen. Aber ein Hotel, in dem es ein Zwei Zimmer Apartment oder ähnliches gibt, ist entweder nicht zu finden oder einfach utopisch teuer.
Wir haben uns dann doch für eine Wohnung entschieden. Wieder verschiedene Anbieter durchstöbern und etwas Schönes aber Bezahlbares finden. An dieser Stelle möchte ich sagen, dass ich meine Augen gar nicht so weit verdrehen kann, wie mich das nervt. Aber dafür gibt´s den Papanaut, der hat da mehr Geduld.
Vorbereitung ist alles, hat irgendwer Schlaues mal gesagt. Das musste ich diesmal auch feststellen. Beim ersten Urlaub, war das Packen noch recht entspannt. Zwerginaut, war da ein bisschen was über einem halben Jahr alt und man konnte ihn irgendwo zum rum kullern parken. Diesmal lief das anders.
Ich habe mir extra Listen geschrieben, um an alles zu denken. Das sollte sich als die beste Entscheidung des Quartals herausstellen.
Habt ihr Katzen? Schon das Packen mit Katzen ist eine Herausforderung. But first, remove Cat.  Pullover rein, Katze raus, Socken rein, Katze raus, Katzen spielen im Koffer, Katzen schlafen im Koffer. Wie war das mit den verdrehten Augen weiter oben? Dann kommen wir zum Packen mit Kind. Ich glaube, ich habe insgesamt zwei- bis dreimal gepackt. Zwerginaut hat sich zur Aufgabe gemacht alles feinsäuberlich wieder auszupacken und in der Wohnung zu verteilen. Was das auch soll, dass Mama alles zusammensammelt und verstaut. Da muss Zwerginaut helfen alles wieder an Ort und Stelle zu räumen.
Am Tag der Abfahrt habe ich gefühlt nochmal alles gepackt, mit Katzen und Kind. Hashtag verdrehte Augen.
Nach dem Mittagessen ging´s los. Wir wollten den Mittagsschlaf im Auto nutzen. Hahahaha! Nicht mit unserem Kind. Zwerginaut hat noch nie gern im Auto geschlafen, nur unter Protest oder ganz aus Versehen. Mit dem neuen Auto hatte sich das eigentlich ein bisschen gebessert. Eigentlich. Nach ca. 20 Minuten ist er planungsgemäß eingeschlafen. Nach 40 Minuten war er wieder wach. Hellwach. Super! Also beamt sich Mamanaut mit auf den Rücksitz und bespaßt das Kind die restlichen zweieinhalb Stunden Fahrt.

Pünktlich 14Uhr und paar Minuten kamen wir an. 15 Uhr sollten wir den Schlüssel für unsere Wohnung bekommen. 14.54 Uhr bekamen wir die Nachricht, dass sich die Übergabe auf 16.30Uhr verschiebt. Ungünstig. Echt jetzt. Aber gut, gehen wir mal ne Runde durch Friedrichhain und gucken, was so geht. Was denkt ihr, was so geht mit kleinem Kleinkind? Genau! Wir suchen einen Spielplatz. Yeah! So konnten wir die Zeit undramatisch rumbringen. 16.23Uhr kam die nächste Nachricht. Es wird erst 18 Uhr. Papanaut musste echt tief atmen. Zwerginaut wurde langsam ungnädig, weil er natürlich hungrig war und die Müdigkeit sich auch wieder meldete. Und Mamanaut? Ja, ich war in einem Zustand aus Augen verdrehen und „dem Typen erzähl ich aber was“. Wenn er denn überhaupt noch auftaucht. So sind wir in eine wirklich gute Pizzeria an der Karl-Marx-Allee essen gegangen. Bei Interesse schreib ich euch die Adresse gern. Zwerginaut hat sich leckere Bruschetta gegönnt. Papanaut und ich hatten Pizza. Mit Knoblauch, viel Knoblauch. Wir lieben Knoblauch. Zu spät ist mir dann der morgige Fachtag mit ziemlich vielen anderen Leuten eingefallen. Aber egal. Wann immer mich jemand auf meinen Knoblauchgeruch anspricht, antworte ich: „Ja, das kann schon sein und weißte was? Es war mega lecker.“ Dann sind die meisten auch schon wieder still oder sie regen sich weiter auf. Aber das prallt an mir ab. Auf dem Fachtag sind nur viele fremde Menschen und außerdem wollte ich ja gern bisschen netzwerken. Zu spät!
18 Uhr standen wir dann wieder vor der Tür und klingelten. Tatsächlich wurde uns geöffnet. Der Vermieter war eine sehr nervöse Person. Er entschuldigte sich in den ersten zwei Minuten gefühlt zehn mal für die Verspätung. Es tat ihm wirklich leid. Putzen musste er die Wohnung auch noch. Das war schon alles ziemlich nervig, aber irgendwie konnte ich ihm die ganzen Dinge die ich mir überlegt hatte, nicht an den Kopf werfen. Er war echt freundlich und es tat ihm wirklich leid. Oder er war ein guter Schauspieler und wir haben´s geschluckt. However. Zwerginaut wickelte ihn um den Finger und wir bekamen unser Abendessen von ihm bezahlt. Gutes Kind. Da hat sich die Erziehung schon nach einem Jahr ausgezahlt. Klasse, weiter so!
Die Wohnung war super. Sie ist es immernoch, denn ich sitze in diesem Moment auf der Couch und schreibe diesen Blogpost. Tolle Einrichtung, alles sauber und ordentlich und eine zentrale Lage noch dazu. Der erste Tag ging für Zwerginaut spät aber schnell zu Ende und wir schalteten einfach ab.

Tag 1 – Mamanaut verlässt den Orbit
Am nächsten Morgen klingelte mein Wecker früh, denn ich wollte gestriegelt und gebügelt beim Fachtag auftauchen. Der Tag war einfach unglaublich toll. So viele tolle Menschen mit inspirierenden Visionen oder konkreten Zielen. Die drei Initiatoren und Moderatoren waren gut drauf und haben uns mit Leichtigkeit durch den Tag geführt. Am Ende des Tages war mein Kopf voll und leer zugleich. Als ich endlich in der Wohnung ankam, wollte ich nur noch ruhig sein und schlafen. Vielleicht kennen es die ein oder anderen von euch? Sobald man dann endlich im Bett liegt, fängt der Kopf doch noch an, irgendwelchen Kauderwelsch zu produzieren und einschlafen rückt weiter in die Ferne. Wenn ihr möchtet schreibe ich gern noch einen extra Post zum Fachtag. Papanaut und Zwerginaut waren den ganzen Tag im Berliner Tierpark. Ja, im Tierpark nicht im Zoo. Quasi der Zoo vom damaligen Ostberlin. Ich wusste vorher nicht, dass Berlin zwei Zoos hat. Wie ich finde, eine interessante Information. Die beiden hatten einen schönen Tag zusammen und waren genauso geschafft wie ich.

Tag 2 – Wetterapps und deren Hang zu Untertreibungen
Das bedeutete wir schliefen am nächsten Tag erstmal alle zusammen aus. Bis fast um 8 Uhr. Als Eltern eines kleinen Kleinkindes, ist das tatsächlich Urlaub. Zwerginaut offenbarte uns den wahren Grund seines ausgiebigen Schlafes aber dann am Frühstückstisch. Rotznase und schlechte Laune.
Toll!
Also verbrachten wir den Vormittag in der Wohnung und ließen es ruhig angehen.
Am Nachmittag schlenderten wir zur East Side Gallery. Das Stück Berliner Mauer, welches von vielen Künstlern, mit hauptsächlich kritischen und nachdenklichen Inhalten, gestaltet wurde. Für Zwerginaut nicht so mega interessant. Aber es waren ja tausend Menschen zum Bestaunen da, sodass wir uns ein bisschen umschauen und fotografieren konnten. Zum Thema Fotos machen fällt mir da was ein, was mir schon auf einigen Reisen aufgestoßen ist. Man möchte gern ein Foto machen, Motiv egal. Der Großteil der Menschen bleibt kurz stehen und wartet. Man macht das Bild, bedankt sich lächelnd und weiter geht´s für alle. Genauso läuft es andersrum, wenn man sieht, dass jemand gerade DAS Foto des Urlaubs machen wird. Außer bei einer bestimmten Gruppe Menschen. Ihr ahnt es langsam, oder? Es sind deutsche Klischeetouristen. Mit weißen Socken in Sandalen, nervös ihren Brustbeutel umklammernd und Sonnenbrillenklappe nach oben tragend. Es gibt sie überall und sie sind wirklich die rücksichtsloseste Personengruppe, die mir an verschiedenen Sehenswürdigkeiten, in verschiedenen Ländern auffällt. Vielleicht fällt es gerade deswegen auf, weil man sich für seine Landsmänner und -frauen* auch ein bisschen fremdschämt. Oder weil es halt einfach so ist, dass sie durch ihre Paranoia beklaut zu werden, keinen Weitblick mehr haben. „Scheiß auf die Bilder der anderen hier, meine 4000 Euro Reisekasse, die ich die ganze Zeit mit mir rum schleppe, weil die Hotelangestellten sowieso alle den Safe knacken und mich beklauen, sind viel wichtiger.“ So oder so ähnlich halt.
Zurück zur East Side Gallery. Die Wetter App prophezeite uns 0% Regenwahrscheinlichkeit. Die App noch viel lernen muss. Also wurden wir nass und machten uns auf den Rückweg in die Wohnung. Zeit wurde es auch.


East Side Gallery

Ach, hab´ ich euch erzählt, dass wir uns beim Gehen ausgesperrt hatten? Nein? Na dann kommt das jetzt. Jeder hat sich auf den anderen verlassen und so wie ich die Tür hinter mir zugezogen hatte, fragte ich Papanaut: „Schlüssel hast du? Ja?“ und er so „Nein! Den hast doch du jetzt abgezogen!“ und ich so: „Nein! Du hast doch aufgeschlossen und da zieht man doch den Schlüssel ab und steckt ihn ein!“ und er so: „Gibst du jetzt etwa mir die Schuld dafür?“ und ich so: „Nee, aber ich bin auch nicht schuld.“ Und er so: „Also gibst du ja doch mir die Schuld…“ und ich so und er so und so weiter. Bis wir dann den Vermieter angerufen haben, dass er uns aufschließt und er uns sagte, dass das nicht klappt, wenn von innen ein Schlüssel steckt und uns viel Erfolg mit dem Schlüsseldienst gewünscht hat. Yeah! Auf ´nen Sonntag in Berlin den Schlüsseldienst rufen. Welch ein Spaß. Das passiert Klaus-Dieter mit dem Brustbeutel bestimmt niemals. Falls doch, hat er wenigstens 4000 Euro in bar dabei, um den Schlüsseldienst zu bezahlen.

Aber Klaus- Dieter hat auch nicht die Einbrecherskills wie Papanaut und kann mit ´ner Rabattkarte des Tiernahrungsgeschäfts die Tür wieder aufmachen. Ich konnte den Schlüsseldienst wieder abbestellen und tiiiiieeeef Luft holen. Die offizielle Geschichte für den Vermieter und den Schlüsseldienst war: „Wir haben den Schlüssel doch im Rucksack gehabt. Der war ganz weit unten verkramt. Welch ein Glück. Nicht wahr? Hahaha.“
Stephan, falls du das hier jemals lesen solltest, wir sind in die Wohnung eingebrochen. Es hat aber keiner was bemerkt und Spuren an der Wohnungstür haben wir auch nicht hinterlassen. Sorry, für die kleine Lüge. Das wiegt deine Verspätung vom Anreisetag wieder auf. Wir sind sozusagen quitt.
Auf den Schreck und Triumph sind wir dann auch gleich Sushi essen gegangen. Natürlich mit 5-fach Check, dass wir auch ja den Schlüssel dabei haben. Zwerginaut muss in der Klinik vertauscht wurden sein. Das Kind mag sonst alles. Aber kein Sushi. Hallo? Wer bist du und wer sind deine Eltern? Wir anscheinend nicht. Das Essen war dementsprechend unruhig und kurz. Nachschlag haben wir dann als take-away in der Wohnung verspeist und das fremde Kind hat ein Leberwurstbrot bekommen. Na danke auch! Das üben wir aber nochmal.

Tag 3 – Friends will be friends
Eltern kennen den Vorteil, wenn das Kind ab spätestens 6 Uhr wach ist. Man ist super zeitig an den Sehenswürdigkeiten. Da zählt Klaus-Dieter noch sein Geld und Heidrun legt die Socken raus. Da waren wir am Montag schon kurz nach 9Uhr auf dem Fernsehturm und haben die großartige Aussicht bei bestem Wetter genossen und Fotos machen können, in die keiner rein gelaufen ist. Wir wussten, dass sich das zeitige Aufstehen irgendwann auch lohnt.


U/S Alexanderplatz

Mittagessen haben wir uns dann lieber mit in die Wohnung genommen. Zwerginaut schläft nämlich weder im Kinderwagen noch in der Trage. Ist ja alles viel zu interessant und es wäre eine Schande etwas zu verpassen. Irgendwie auch nachvollziehbar. Nach einer kurzen Siesta, haben wir uns auf den Weg zum Brandenburger Tor gemacht. Erst U-Bahn und dann mit dem Bus! Ja, mit dem Bus in der Großstadt. Mit Kinderwagen. Großartig, ganz fein. Macht es bitte nicht nach.
Dort angekommen trafen wir eine langjährige Freundin von mir. Wir wohnen sonst nur 40km auseinander. Aber getroffen wird sich in Berlin. Kann man so machen. Es war mir ein inneres Blumenpflücken mit dir. Danke!
Sie musste mit Familie dann schon recht schnell wieder los. Wir schlenderten noch zum Bundestag und genossen die Sonne auf der Wiese davor. Sehr chillig und Zwerginaut konnte sich freuen endlich frei und ohne: „Stop! Da vorn ist die Straße, bitte bleib hier.“ flitzen und Grashalme pflücken.
Am Abend waren wir alle schön platt. Ich hab´ noch ein bisschen was geschrieben und dann ging´s zeitig in´s Bett.

Abreisetag
Dienstagmorgen war recht unspektakulär. Alles packen, Zwerginaut beschäftigen, Mittag essen und auf geht´s nach Hause.

Tschüss Berlin, es war schön mit dir und wir kommen ganz sicher wieder

Streetart in Friedrichshain

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